Mehr Aufträge über Google — für Handwerker
Bevor jemand bei Ihnen anruft, klärt er drei Dinge: ob Sie das Gesuchte überhaupt machen, ob Sie zu ihm herausfahren und wie er Sie erreicht. Dieser Ratgeber beschreibt sechs Schritte, mit denen ein Handwerksbetrieb diese drei Fragen beantwortet — alle ohne Agentur und ohne bezahlte Werkzeuge.
01
Das Unternehmensprofil — und was vollständig wirklich heißt
Ein Google-Unternehmensprofil gilt schon dann als angelegt, wenn Name, Adresse und Telefonnummer stehen. Vollständig ist es damit nicht. Vollständig heißt: Die Kategorie trifft genau das, was Sie hauptsächlich tun, das Einzugsgebiet umfasst die Orte, in die Sie tatsächlich fahren, und die Öffnungszeiten stimmen auch an Feiertagen.
Am Einzugsgebiet hängt am meisten. Wer im Umland arbeitet, aber nur seine Werkstattadresse hinterlegt hat, wird von Leuten übersehen, die drei Orte weiter suchen — und umgekehrt rufen Leute an, zu denen Sie nie fahren würden. Beides kostet Zeit. Ebenso wirksam ist die Leistungsliste: Ein Sanitärbetrieb, der nur Sanitär schreibt, beantwortet die erste Frage nicht; ein Betrieb, der Heizungswartung, Rohrbruch, Badumbau und Notdienst einzeln aufführt, schon. Schreiben Sie in die Beschreibung auch, was Sie nicht machen — keine Kleinstaufträge unter einer Stunde, kein Notdienst am Wochenende. Das klingt unfreundlich und spart beiden Seiten den Anruf.
Ein Punkt, den viele nicht kennen: Google lässt auch Dritte Änderungen an Ihrem Profil vorschlagen, und übernommene Vorschläge erscheinen ohne Rückfrage. Betroffen sind meist Öffnungszeiten, Kategorie und Adresse. Übernommene Änderungen sehen Sie im Profil unter den Aktualisierungen beziehungsweise in der Benachrichtigung, die Google dazu schickt; falsche können Sie dort zurücksetzen. Gehen Sie das Profil deshalb einmal im Quartal durch — zehn Minuten reichen für diesen Durchgang.
Zum Abhaken beim Durchgang im Quartal — Kategorie
Beschreibt die Hauptkategorie noch Ihre häufigste Arbeit, nicht Ihre breiteste?
Einzugsgebiet
Stehen alle Orte drin, in die Sie fahren — und nur diese?
Zeiten
Sind Öffnungszeiten und Feiertage aktuell?
Leistungen
Einzeln aufgeführt, in den Worten Ihrer Kunden?
Kontakt
Dieselbe Nummer und Adresse wie auf Rechnung und Website?
02
Bewertungen bekommen, ohne sie zu kaufen
Bewertungen entstehen fast nie von selbst. Wer zufrieden ist, denkt nicht daran; wer sich geärgert hat, schon. Deshalb müssen Sie fragen — und zwar alle Kunden, nicht nur die, bei denen Sie ein gutes Ergebnis erwarten. Eine Auswahl der Zufriedenen ist der erste Schritt zu einem Profil, dem niemand glaubt.
Der beste Moment ist die Abnahme, wenn der Kunde die fertige Arbeit vor sich sieht. Fragen Sie dort mündlich und schicken Sie den Link danach hinterher — auf der Rechnung, in der Auftragsbestätigung oder als QR-Code auf einem Zettel im Fahrzeug. Ein Link, den man abtippen muss, wird nicht benutzt.
Bewertungen zu kaufen ist unzulässig. Auch ein Rabatt oder Gutschein für eine Bewertung ist heikel: Er verstößt gegen die Richtlinien von Google, und ein solcher Anreiz muss offengelegt werden, sonst ist die Bewertung irreführend. Der einfachste Weg ist, gar nichts dafür zu geben. Ob Ihr konkreter Fall zulässig wäre, klärt eine anwaltliche Auskunft — wir geben keine. Der Schaden ist ohnehin nicht nur juristisch: Ein Profil, das binnen weniger Tage zwanzig Fünf-Sterne-Texte ohne jedes Detail bekommt, fällt Lesern auf, lange bevor es jemand meldet.
Antworten Sie auf Bewertungen, besonders auf schlechte. Eine sachliche Antwort, die den Ablauf schildert und keine Schuld verteilt, wird nicht vom Verfasser gelesen, sondern vom nächsten Interessenten. Genau der entscheidet, ob eine schlechte Bewertung ein Warnsignal ist oder ein schlechter Tag.
03
Fotos der eigenen Arbeit statt Bildagentur
Ein Bildagenturfoto zeigt eine fremde Werkstatt und beantwortet keine der drei Fragen. Ein Foto der eigenen Baustelle beantwortet mehrere gleichzeitig: welche Arbeit Sie machen, in welcher Qualität und wie es bei Ihnen aussieht, wenn Sie wieder gehen.
Fotografieren Sie mit dem Telefon, bei Tageslicht, und machen Sie Vorher-Nachher-Paare. Zeigen Sie auch das Fahrzeug, die Werkstatt und die Menschen, die tatsächlich kommen. Ein Bild vom aufgeräumten Arbeitsplatz nach getaner Arbeit sagt über Ihren Betrieb mehr aus als jeder Satz über Sorgfalt.
Ein Punkt, den viele überspringen: Für Aufnahmen aus Wohnungen und Häusern Ihrer Kunden und für erkennbare Personen brauchen Sie in aller Regel eine Einwilligung. Holen Sie sie bei der Abnahme ein und halten Sie die Antwort schriftlich fest, etwa als Zeile im Auftragsschein. Das ist in zwei Minuten erledigt und erspart Ihnen später eine unangenehme Post. Wenn Sie sich bei einem Motiv unsicher sind, fragen Sie lieber einmal zu viel — oder nehmen ein anderes.
04
Die Website auf die drei Fragen ausrichten
Die meisten Handwerkerseiten erzählen zuerst von sich: gegründet, Meisterbetrieb, Qualität. Der Besucher sucht drei andere Dinge — die Leistung, das Gebiet und die Erreichbarkeit samt Preisrahmen. Stehen sie nicht in den ersten Sekunden auf dem Bildschirm, geht er zurück zur Trefferliste.
Schreiben Sie die Leistung so, wie der Kunde sie nennt, nicht wie sie in der Handwerksordnung heißt. Nennen Sie die Orte im Einzugsgebiet im Fließtext, nicht als Aufzählung von siebzig Ortsnamen im Fußbereich. Und geben Sie einen Rahmen an, auch wenn Sie keinen Festpreis nennen können: Anfahrt, Stundensatz, Mindestbetrag. Ein Rahmen filtert die Anfragen, die ohnehin nicht zu Ihnen passen.
Prüfen Sie die Seite auf dem Telefon, nicht am Rechner. Die Telefonnummer muss ohne Zoom anwählbar sein, das Kontaktformular kurz, und die Seite muss auch bei schwachem Empfang laden. Wenn Ihr Formular mehr als fünf Felder verlangt, ist es kein Formular, sondern eine Hürde.
05
Erreichbarkeit
Erreichbarkeit ist der Schritt mit der größten Wirkung und dem geringsten Aufwand. Ein Anruf, den niemand annimmt, führt fast immer zum nächsten Eintrag in der Liste — nicht zu einem zweiten Versuch bei Ihnen. Wenn Sie gerade auf der Leiter stehen, ist das kein Versäumnis; keine Regelung dafür zu haben, ist eines.
Legen Sie feste Zeiten fest, in denen jemand ans Telefon geht, und schreiben Sie diese Zeiten auf die Website und ins Profil. Außerhalb dieser Zeiten hilft ein Anrufbeantworter mit einem konkreten Text: wann zurückgerufen wird und wohin man schreiben kann. Der Text auf dem Band darf konkret sein, etwa: „Wir rufen bis 18 Uhr am selben Werktag zurück.“ Sagen Sie so einen Satz aber nur an, wenn Sie ihn halten können — sonst nennen Sie die Frist, die Sie wirklich schaffen.
Legen Sie außerdem fest, wer sich um Anfragen kümmert, die per E-Mail oder über das Formular kommen, und wann. Eine feste halbe Stunde am Abend ist besser als der Vorsatz, es zwischendurch zu erledigen. Unbeantwortete Anfragen sind der teuerste Posten in diesem Ratgeber, weil die Arbeit, sie überhaupt zu bekommen, bereits geleistet war.
06
Was Sie messen können, ohne Werkzeuge zu kaufen
Sie brauchen kein bezahltes Werkzeug, um zu sehen, ob sich etwas bewegt. Die wirksamste Messung kostet nichts: Fragen Sie bei jedem Anruf, wie der Kunde Sie gefunden hat, und notieren Sie die Antwort in einer Strichliste. Nach acht Wochen sehen Sie, woher Ihre Anfragen tatsächlich kommen — auch die Empfehlung vom Nachbarn, die in keinem Auswertungswerkzeug steht, weil es das Telefonat nicht mitbekommt.
Zwei kostenlose Quellen ergänzen das. Im Google-Unternehmensprofil sehen Sie, wie oft Ihr Profil aufgerufen wurde und wie oft jemand darüber angerufen oder die Route gestartet hat — Anrufe und Routen sind die interessanten Zahlen, Aufrufe allein sagen wenig. Die Google Search Console zeigt, mit welchen Suchbegriffen Leute auf Ihre Website kommen; dort stehen oft Formulierungen, an die Sie selbst nie gedacht hätten.
Messen Sie monatlich, nicht täglich. Handwerksnachfrage schwankt mit Wetter, Ferien und Jahreszeit, und ein schwacher Dienstag bedeutet nichts. In der Search Console reichen die Daten weit genug zurück, um einen Monat mit demselben Monat des Vorjahres zu vergleichen; im Unternehmensprofil ist das Zeitfenster kürzer, dort bleibt der Vergleich mit den Vormonaten.
Behalten Sie dabei im Blick, worauf es hinausläuft: nicht auf Aufrufe, sondern auf angenommene Aufträge, die zu Ihnen passen. Zwanzig Anfragen, von denen Sie achtzehn ablehnen, sind ein schlechteres Ergebnis als fünf, die passen.
Strichliste am Telefon
Wie haben Sie uns gefunden — eine Frage, jeden Anruf, acht Wochen lang.
Statistik im Unternehmensprofil
Anrufe und Routenstarts sind aussagekräftig, reine Aufrufe kaum.
Google Search Console
Zeigt die Suchbegriffe, mit denen Leute auf Ihrer Website landen.
Fragen
Häufige Fragen
- Ist das nicht Aufgabe einer Agentur?
- Die sechs Schritte hier sind keine Agenturarbeit, sondern Betriebsorganisation — niemand kennt Ihr Einzugsgebiet und Ihre Kunden besser als Sie. Eine Agentur lohnt sich erst, wenn diese Grundlagen stehen und trotzdem zu wenig ankommt, oder wenn Ihnen schlicht die Zeit fehlt. Vorher zahlen Sie dafür, dass jemand Ihre Öffnungszeiten einträgt.
- Wie lange dauert es, bis sich etwas zeigt?
- Wie schnell sich etwas zeigt, hängt davon ab, wie viele Leute in Ihrem Gebiet überhaupt suchen — das kann niemand vorab beziffern. Unternehmensprofil und Erreichbarkeit wirken dort, wo jemand ohnehin schon sucht; Änderungen an der Website wirken mittelbarer. Wer Ihnen für eine bestimmte Frist ein bestimmtes Ergebnis zusagt, sagt Ihnen das Verhalten von Google und von fremden Kunden voraus.
- Was ist, wenn ich schlechte Bewertungen habe?
- Eine einzelne schlechte Bewertung neben vielen guten fällt weniger ins Gewicht als eine makellose Reihe, der niemand glaubt. Antworten Sie sachlich und schildern Sie den Ablauf aus Ihrer Sicht. Über Google entfernen lassen können Sie, was gegen die Richtlinien der Plattform verstößt — Beleidigungen etwa oder Bewertungen von Leuten, die nie Kunde waren; ob Google dem folgt, entscheidet Google. Gegen unwahre Tatsachenbehauptungen gibt es darüber hinaus den Weg über einen Anwalt.
- Reicht ein Unternehmensprofil ohne eigene Website?
- Für viele kleine Betriebe deckt das Profil den größten Teil ab, und es ist der Schritt, mit dem man anfangen sollte. Was fehlt, ist Platz für Details: Preisrahmen, Ablauf, Bilder in größerer Zahl. Wenn Sie überwiegend größere Aufträge machen, bei denen Kunden vergleichen, fehlt Ihnen ohne Website die Grundlage für diesen Vergleich.
Wenn alle sechs Schritte stehen
Der größte Teil dieser sechs Schritte ist nach unserer Einschätzung an ein bis zwei Abenden erledigt; danach genügt ein kurzer Durchgang im Monat. Wie lange es bei Ihnen dauert, hängt davon ab, was schon steht — der größte Brocken sind meist die Fotos. Wenn Sie die Schritte gegangen sind und die Auftragslage bleibt, wie sie war, dann liegt das Problem selten an der Sichtbarkeit — sondern an der Nachfrage in Ihrem Gebiet, am Zuschnitt der Leistungen oder daran, dass Anfragen zwar kommen, aber nicht zu Aufträgen werden. Das sind drei verschiedene Probleme mit drei verschiedenen Antworten, und keine davon heißt automatisch SEO. Wenn Ihr Auftragsbuch voll ist, brauchen Sie ohnehin nichts davon. Wenn Sie herausfinden möchten, welcher der drei Fälle bei Ihnen vorliegt, schauen wir uns das in dreißig Minuten gemeinsam an — unverbindlich, und mit einer ehrlichen Antwort auch dann, wenn sie lautet, dass Sie uns dafür nicht brauchen.